> Wie alles begann  


Ein Kindheitstraum wird wahr!
 

Wir verdanken den Erwerb des Grundstücks einem glücklichen Zufall. Ich wohnte seit frühester Kindheit in der Nähe des Anwesens und später führte mein Schulweg Tag für Tag an diesem verwunschenen Areal vorbei. Schon in Kindertagen hegte ich den Wunsch, einmal das Grundstück zu durchstreifen und das Innere des kleinen Hauses näher zu inspizieren! Aber leider blieb mir dies bis vor elf Jahren verwehrt und so musste damals die kindliche Fantasie ausreichen.
Der Garten verwilderte im Laufe der Jahre immer mehr, die Obstbäume erfuhren keinerlei Pflege und bald war im Sommer vom Wohnhaus nichts mehr zu sehen. Es tat mir in der Seele weh, dass ein so wunderschönes Grundstück nur sich selbst überlassen blieb.
 

1996 dann, ich bewohnte eine eigene Wohnung im Elternhaus und kam somit immer noch häufig am Grundstück vorbei, erfuhr ich vom Tod der  Mieterin. Aus einer Intuition heraus schrieb ich einen Brief an die Eigentümerin und bekundete mein Interesse am Kauf des Grundstücks. Sechs lange Wochen bekam ich keine Reaktion. Ich war davon überzeugt, das es wohl realistisch sei, die Sache zu vergessen.

Doch schon bald ergaben sich erste Gespräche und wir hatten die Gelegenheit, Grundstück und Haus in Augenschein zu nehmen.
 

Was soll ich sagen, ich fühlte mich sofort zuhause und konnte mir vorstellen, das Anwesen in ein funkelndes Schmuckstück zu verwandeln. Nach kurzer „Überzeugungsarbeit“ war auch Achim bald der gleichen Ansicht, wir haben den Entschluss bis heute nie bereut!
 


In vielen Telefonaten mit der Eigentümerin  schwärmte ich von den Vorzügen des Grundstücks und das es wert sei, sowohl Haus als auch insbesondere den Garten aus seinem „Dornröschenschlaf“ zu wecken. Uns war auch daran gelegen, bei der Renovierung das Häuschen äußerlich unangetastet zu lassen, denn Charme ging in der Tat davon aus. Später erfuhren wir dann, das es wohl auch diese Einstellung war, die den Zuschlag brachte.

 

Die vielen weiteren Interessenten, auch Immobilienmakler, hatten nur die stadtnahe Lage des Grundstücks im Auge. Das alte Haus stand dabei nur im Weg, wäre der Abrissbirne zum Opfer gefallen und ein schöner Garten, welcher vor unserem imaginären Auge schon Gestalt angenommen hatte, wäre nie entstanden.
Für die damalige Eigentümerin war das Anwesen mit Jugenderinnerungen verbunden. Die Familie brauchte eine Bleibe, da ihr großes Wohnhaus in einem anderen Stadtteil in den Kriegswirren  zerstört wurde. So fassten sie 1945 den Entschluss, dies auf ihrer „Obstwiese im Tal“ zu realisieren. Für die Eigentümerin war schon aus diesem Grund ein Abriss des Gebäudes und die damit verbundene Vernichtung des Gartens, der ein Steckenpferd ihres Vaters gewesen war, undenkbar.
 

Im August 1996 konnte der Kaufvertrag unterschrieben werden. Aus rein profitablen Gründen hätten wohl andere Mitbewerber den Zuschlag erhalten müssen. Doch damit wäre ein Stück Individualität für immer zerstört worden. Nach genau neun Monaten einer umfangreichen Komplettsanierung konnten wir im Mai 1997 unser neues Heim beziehen!
Aber nun ging es endlich daran, den Garten neu zu gestalten. Da Achim schon vorher ein Hobbygärtner war, ließ auch ich mich schnell überzeugen, dass eigentlich der Garten das Herzstück eines Anwesens ist.















 

Mittlerweile sind wir beide mit dem Gartenvirus infiziert. So ist nach mehreren Jahren der intensiven Planung ein Gestaltungskonzept entstanden, das mit jeder Menge körperlicher Schwerstarbeit von 1999 bis 2003 umgesetzt wurde. Die Arbeit im Garten ist Meditation und ein schöner Ausgleich zu unserem beruflichen Alltag.
 

Und so erzeugte das bislang schönste Kompliment, das uns die Vorbesitzerin angesichts der neuesten  Gartenportraits im Sommer 2003 machte, einen gewissen Stolz: „Wenn meine verstorbene Mutter den Garten so sehen könnte, sie wäre sehr zufrieden mit Ihnen beiden!“

Das spornt natürlich an, jedes Jahr das Gestaltungskonzept zu verfeinern, neue Ideen aufzugreifen und andere Menschen am Gartenglück teilhaben zu lassen.


Die Anlage und Pflege eines Gartens kann sicher als Lebenswerk bezeichnet werden, denn fertig ist ein Garten nie! Aber eben das ist der unbezahlbare Schatz, der unser Leben mit unendlich viel Freude begleitet und eine kreative Spannung erhält, von der Garten und Besitzer leben!

Betzdorf, im Januar 2008